Existenzgründung – Teil 3: Der Finanzplan

Teil 1: Formulare

Teil 2: Tragfähigkeitsbescheinigung & fachkundige Stelle

Jetzt fahre ich die ganz schweren Geschütze auf: den Finanz- und den Businessplan. Zweifellos kann man auch ohne das ein Unternehmen gründen, sobald man aber irgendwo Zuschüsse und Förderungen beantragt, wird es nicht ohne eine schriftlich fixierte gründliche Planung gehen.

Das Jobcenter verlangt zum Förderungsantrag einen Finanzplan („Finanzplan: Lebenshaltungskosten, Rentabilitäts- und Liquiditätsvorschau“). Ich hatte hier das Glück, dass die Aktivsenioren eine sehr gute Vorlage (sprich: Excel-Tabelle) haben, die ich einfach nur ausfüllen brauchte. Mein Herr W. half mir dabei, alles richtig auszufüllen. Weil die Vorlage natürlich für so ziemlich alle möglichen Gründungsunternehmen ausgelegt ist, musste ich nicht alles ausfüllen – ich brauche ja beispielsweise keinen Punkt „Rohwaren“ oder „Personalkosten“.

Dank der Magie von Excel konnte die Vorlage auch automatisch alles selbst ausrechnen, so dass sich der Ergebnis-/Liquiditätsplan (wie gefordert für die ersten drei Jahre) wie von selbst ergab.

Was gehört in den Finanzplan?

In den Finanzplan gehören drei Punkte: Lebenshaltungskosten, Geschäftsausgaben, Einkünfte. Das ist nicht einmal besonders komplex, aber es ist eine Fleißarbeit. Bei den Ausgaben muss man sehr sorgfältig vorgehen, damit man wirklich nichts vergisst. Bei den Einkünften … tun sich existenzgründende Dienstleister manchmal schwer, ihrer Leistung den richtigen Preiszettel anzuhängen.

Ich hatte es mit den Lebenshaltungskosten leicht, weil ich darüber seit Jahren Buch führe. Falls Sie das nicht tun, müssen Sie sich wohl oder übel mit den Kontoauszügen eines kompletten Jahres (mindestens!) hinsetzen und sich mit Ihren Ausgaben vertraut machen. Lassen Sie sich dabei Zeit, damit Sie keine Ausgaben übersehen.

Die Liste der Lebenshaltungskosten ist naturgemäß für jeden anders, sie wird aber vermutlich Ausgaben beinhalten wie:

  • Miete
  • Heizkosten
  • Nebenkosten
  • Strom
  • Telefon (Festnetz, Handy), Internet
  • Kabelfernsehen
  • GEZ
  • Auto (Benzin, Steuer, Versicherung, Service …)
  • Kosten öffentliche Verkehrsmittel
  • Versicherungen (Leben, Haftpflicht, Rechtschutz, Hausrat, Kfz, Unfall …)
  • Vereinsbeiträge
  • Lebensmittel
  • Körperpflege
  • Kleidung
  • Medikamente
  • Haustiere (Ernährung, Tierarzt, Versicherung …)
  • Freizeit (Bücher, Musik, Kino, Abonnements …)
  • Geschenke (Geburtstage, Weihnachten, Hochzeiten …)
  • Urlaub
  • finanzielle Verpflichtungen (Bausparverträge, Kreditraten …)
  • Rücklagen

Beim Punkt „Einkünfte“ hatte ich es leicht, ich habe nämlich keine! Das kann bei anderen Menschen anders sein, denn Einkünfte sind unter anderem:

  • Einkünfte des Partners/der Partnerin
  • Kindergeld
  • Unterhaltszahlungen
  • Mieteinkünfte
  • Kapitalerträge
  • Eigenheimzulagen

Das war jetzt sozusagen der private Teil; natürlich müssen auch die geplanten Einkünfte und die Geschäftsausgaben aufgeführt werden.

Welche Geschäftsausgaben gehören in den Finanzplan?

Auch hier lautet die Antwort: alle.

Als Existenzgründerin bin ich praktisch per Definition eine Anfängerin in Sachen Geschäftsausgaben, dank meiner guten Vorlage klappte das aber eigentlich ganz gut. Herr W. hat mich auf verschiedene Ausgaben hingewiesen, an die ich nicht gedacht hatte, die ich aber lieber einplanen sollte. Dazu gehören beispielsweise Reisekosten oder Kosten für Fortbildung.

Typische Geschäftsausgaben sind:

  • Miete
  • Telefon/Internet
  • Versicherungen
  • Steuern
  • Materialeinkauf
  • Personalkosten (Lohnkosten, Versicherungen, Abgaben)
  • Vertrieb
  • Marketing
  • Logistik/Versand
  • Bürobedarf
  • EDV
  • Instandhaltung/Reparaturen von Gebäuden/Geräten
  • Fortbildungskosten
  • Kosten für Berufsgenossenschaften, Kammern, berufsständische Vereinigungen o.ä.
  • Reisekosten
  • Kraftfahrzeuge (Leasing, Kauf, Versicherung, Benzin, Steuer, Service, Reparaturen)
  • Bankkosten
  • Buchhaltungskosten/Steuerberater
  • Rücklagen

Als Anfänger muss man sich hier an vielen Stellen erst kundig machen und gut planen. Was kostet beispielsweise die Krankenversicherung für Selbständige? Was die Rentenversicherung? Wie sieht es mit der Unfallversicherung aus? Welche Versicherungen brauche ich überhaupt? Muss ich einen Laden/eine Werkstatt/Büroräume mieten? Kann ich von zuhause aus arbeiten? Falls ja, muss ich meinen Vermieter informieren?

Ich habe mich als Texterin/Redakteurin/Lektorin selbständig gemacht. Das heißt, dass ich problemlos zuhause arbeiten kann, also kein Büro mieten muss und auch kein Geld fürs Pendeln ausgeben muss. Wegen Kranken- und Rentenversicherung habe ich mich bei der Künstlersozialkasse beworben (auch ein durchaus formulariges Unterfangen), und ich habe mich bei der VBG unfallversichert. Die Unfallversicherung ist mir enorm wichtig, deswegen habe ich das sofort gemacht, sogar noch vor dem Beantragen der IKEA-Business-Card.

Gegenüber all diesen Ausgaben, privat wie geschäftlich, steht in meinem Finanzplan nur ein einziger Punkt: die Geschäftseinnahmen. Die müssen ausreichen, um meine Ausgaben zu decken und möglichst auch ein bisschen Rücklagen zu bilden. Das bringt uns zur nächsten Frage …

Wie lege ich einen Stundensatz fest?

Die Einkünfte waren ein kniffliger Punkt, denn ich musste mir zum ersten Mal in meinem Leben tatsächlich überlegen, wie viel Geld ich für meine Arbeit verlange. Vor Jahren hat mich ein Chef an Kunden verliehen, weswegen ich mir den Stundensatz überlegen sollte, den er den Kunden für meine Leistung berechnen könnte. Ich war komplett überfordert.

Zum Glück hat er sich dann mit mir zusammengesetzt und mir erklärt, was ich ihn pro Stunde koste. Damit wussten wir also schon mal, wie viel wir mindestens verlangen mussten. Falls ich mich nicht täusche, haben wir dann noch ausgerechnet, wie viel Text ich pro Stunde produzieren kann – das war wichtig, weil wir viele SEO-Kunden hatten, die Text nicht nach Qualität, sondern nach Quantität einkauften. Ist eigentlich auch egal, ich weiß nicht mehr, wie viel wir den Kunden damals berechneten. Ich wollte damit nur illustrieren, dass die „Preisfindung“ nicht leicht ist.

Da wir den Finanzplan aber sorgfältig erstellt haben, kennen wir die Ausgaben. Diesen Betrag müssen wir jetzt also verdienen. Ganz einfach kann man es sich machen, wenn man den Betrag nimmt und durch die Arbeitsstunden in einem Monat teilt. Zack, fertig ist der Stundensatz.

In meinem Bereich ist es relativ einfach, fundierte Informationen zum Stundensatz zu finden, der Journalistenverband ist eine gute Quelle dafür. Bestimmt gibt es auch für andere Berufe Einrichtungen, die dazu gerne Auskunft geben.

Nicht vergessen: Legen Sie den Stundensatz nicht so fest, dass Sie nur bei absoluter Vollbeschäftigung über die Runden kommen können.

Gibt es Vorlagen für den Finanzplan?

Das Existenzgründerportal des BMWi hat sehr gute Checklisten für alle Belange der Existenzgründung, so auch für Kostenplan, Rentabilitätsvorschau, Kapitalbedarfsplan, Liquiditätsvorschau. Entsprechende pdf-Dateien kann man sich auf der Seite Checklisten & Übersichten herunterladen. Vorlagen für Finanzpläne gibt es auch bei vielen Banken und bei den Industrie- und Handelskammern. Ich rate dazu, mehrere Vorlagen zu testen und die zu verwenden, mit der man am besten zurechtkommt. Und so lästig es ist: Je mehr Input verlangt wird, desto besser ist es hinterher.

Dank des Finanzplans habe ich jetzt meine Lebenshaltungskosten und Geschäftsausgaben vor Augen, was mir hilft, meine Einkünfte zu planen. Genauer gesagt: Ich weiß, wie viel ich verdienen muss. Das auch zu schaffen ist die neue Herausforderung meines Alltags.

Nächste Woche geht es weiter mit dem Businessplan.

Ein Gedanke zu „Existenzgründung – Teil 3: Der Finanzplan

  1. Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Der Finanzplan ist letztendlich das A und O bei einer Existenzgründung. Dieser Artikel wird einigen sicherlich eine große Hilfe sein und offene Fragen beantworten können.

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