Existenzgründung – Teil 4: Der Businessplan

Teil 1: Formulare

Teil 2: Tragfähigkeitsbescheinigung & fachkundige Stelle

Teil 3: Der Finanzplan

Der Businessplan. Das traurigste Kapitel meiner Existenzgründung. Weshalb? Weil es mir so schwer fiel. Man sollte meinen, jemandem wie mir müsse das besonders leicht fallen … tat es aber nicht. Es war anstrengend und langwierig.

Mein Problem war dabei nicht, dass ich nicht wusste, was ich machen will und wie ich das angehe. Ich habe mir nur bei jedem einzelnen Satz überlegt: „Habe ich das richtig formuliert? Ist das irgendwie missverständlich? Wenn ich das so schreibe, kann sich das irgendwie negativ auf meinen Zuschussantrag beim Jobcenter auswirken?“ Das hat mich sehr gehemmt.

Abgesehen von dieser Schwierigkeit bin ich jetzt (wo ich vermutlich nie mehr einen Businessplan schreiben muss) ein echter Fan des Konzepts.

Eigentlich ist ein Businessplan wirklich nicht schwer zu schreiben. Mich hat, wie gesagt, vor allem die Vorstellung gehemmt, dass schon eine bestimmte Ausdrucksweise mir die Chancen auf einen Zuschuss des Jobcenters kaputt macht. Ist natürlich grundsätzlich Schwachsinn, außerdem hätte das mein Aktivsenior gar nicht erst durchgehen lassen.

Zudem hatte ich die Businessplanvorlage der Aktivsenioren, an der ich mich orientieren konnte. Die ist wie die FInanzplanvorlage gleichzeitig allgemein und umfassend gehalten, so dass manche Punkte auf mich und mein Gründungsvorhaben nicht zutrafen. Alles kein Problem, was nicht zutrifft, braucht auch nicht in den Businessplan.

Wie lange dauert es, den Businessplan zu schreiben?

Länger als gedacht!  Natürlich habe ich nicht nonstop am Businessplan gearbeitet, aber es laufen in dieser Situation viele Sachen gleichzeitig. Für die Ermittlung des Investitionsbedarfs beispielsweise (bei mir wichtig, weil ich ja einen Zuschuss beantragen wollte) brauchte ich den Finanzplan: kleine Pause für den Businessplan. Für den Finanzplan brauchte ich Kostenvoranschläge für Computer, Geschäftsausstattung, Arbeitsplatz: kleine Pause für den Finanz- UND den Businessplan.Milde Panikattacke, weil ich mich als Texterin selbständig machen will, aber offensichtlich nicht mal meinen eigenen Businessplan schreiben kann: kleine Pause für den Businessplan. Es ging also alles nicht so schnell wie erwartet.

Statt den zwei oder drei Wochen, die das meiner Meinung nach hätte dauernd dürfen, dauerte es zehn Wochen. Das ist nicht ungewöhnlich, findet die Süddeutsche: „Im Schnitt brauchen Gründer für ihren Businessplan zwischen acht und zwölf Wochen.“, lese ich in ihrem Businessplan-Ratgeber.

Es war so, als würde ich ein Bewerbungsanschreiben verfassen. Eigentlich kein Thema, und für andere Leute schüttle ich das nur so aus dem Ärmel, aber für mich selbst fällt mir das schwer. Ganz genau so habe ich das schließlich auch beim Businessplan gemacht – ich habe so getan, als wäre das nicht meiner. Dann ging’s!

Ich habe mir keine Mühe gegeben, ihn literarisch wertvoll zu schreiben, ich habe mich aber auch nicht verstellt. Am Schluss hatte ich einen kurzen Plan, der mich und mein Vorhaben realistisch darstellt, der verständlich und zugänglich ist und den ich ohne Sorge abgegeben habe. Ich wusste, wenn ich keinen Zuschuss bekommen sollte, dann würde das bestimmt nicht an meinem Businessplan liegen.

Gibt es Vorlagen für den Businessplan?

Im Internet gibt es massenhaft Seiten mit Informationen zur Existenzgründung, und eben auch zum Businessplan. Wenn Sie nur für sich selbst einen Plan schreiben wollen, ist es nicht ganz so wichtig, an welcher Vorlage Sie sich orientieren. Wenn es, wie bei mir, um Zuschüsse geht, soll der Businessplan natürlich alle Anforderungen erfüllen.

Vorlagen für Businesspläne gibt es beispielsweise bei den Industrie- und Handelskammern. Auch hier empfehle ich wieder die Existenzgründerseite des Bundesministeriums für Wirtschaft, und die Seite Startup in Bayern des Bayerischen Wirtschaftsministeriums kann helfen.

Was steht im Businessplan?

Mein Businessplan war einfach:

1. Zusammenfassung in Stichworten: Leistungen, Zielgruppen, Firmenname, Rechtsform, Standort, Qualifikationen, Marktlage, Alleinstellungsmerkmale, Finanzierung

2. Beschreibung des Leistungsangebotes, der Kundengruppe, des Nutzens meiner Dienstleistung für die Kunden

3. Unternehmung: Unternehmensform, Firmenname

4. Lebenslauf (Kurzform)

5. Markt und Wettbewerb: Analyse der Marktlage und Konkurrenzsituation

6. Alleinstellungsmerkmale

7. Marketing: Wie will ich neue Kunden akquirieren?

8. Aktionsplan: Wann will ich die Tätigkeit aufnehmen/Neukunden anwerben/Investitionen tätigen

9. Risiken und Chancen: Wird meine Leistung gebraucht, auch in Zukunft? Wie werde ich für den Erfolg meines Unternehmens sorgen?

10. Finanzierung: Welche Invesitionen sind notwendig? Woher bekomme ich das Geld dafür?

11. Anlagen: Finanzplan, Lebenslauf, Zeugnisse, Referenzen

Als ich alles komplett hatte, habe ich noch ein Inhaltsverzeichnis und ein Deckblatt für den Plan erstellt und dann alles in einer ganz normalen Mappe abgegeben. Fertig.

Für anders gelagerte Unternehmungsgründungen sieht der Businessplan zwangsläufig anders aus, beispielsweise können die Themen Personal/Mitarbeiter/Ausbildung, Wareneinkauf, Geschäftsräume usw. dazukommen. Ich habe das ja alles nicht, was den Businessplan deutlich einfacher macht.

Kann ich den Businessplan nicht einfach fertig kaufen?

Das scheint tatsächlich möglich zu sein. Bevor ich meinen Businessplan schrieb, wusste ich gar nicht, dass es sowas gibt. Inzwischen ich lese immer wieder Warnungen davor, einen fremden Plan einfach zu kaufen und an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu wollen.

Als erfahrene Redakteurin kann ich Ihnen verraten: Einen fertigen, fremden Text zu so zu redigieren, dass er den eigenen Ansprüchen genügt und im Stil zur Zielpublikation passt, ist schwer. Es ist praktisch immer einfacher, einen komplett neuen Text zu verfassen.

Falls Sie doch einen fertigen Businessplan an Ihr Vorhaben anpassen wollen: Es ist schwer und langwierig, und Sie sollten es Profis überlassen – mir zum Beispiel. Meine Kontaktdaten finden Sie hier.

Ist ein Businessplan notwendig?

Ein Businessplan ist vielleicht nicht in jedem Fall nötig, aber meiner Meinung nach ist das Verfassen eines Planes absolut empfehlenswert.

Ich weiß eigentlich nicht, wer im Jobcenter meinen Businessplan gelesen hat, oder ob den überhaupt jemand gelesen hat … ich bin trotzdem froh, dass ich ihn geschrieben habe. Es hat mir sehr dabei geholfen, mein ganzes Vorhaben ordentlich zu strukturieren und alles buchstäblich schwarz auf weiß zu sehen.

ich finde es aber durchaus hilfreich, dass ich beides habe. Das Erstellen und Verfassen des Businessplans und die Zusammenarbeit mit meinem Aktivsenior hat mir sehr dabei geholfen, alles noch einmal genau zu überdenken und eventuelle Fehlerquellen zu erkennen. Mit dem Businessplan wurde alles viel konkreter, es ging weg von „Ich mach mich jetzt einfach mal selbstständig“ und hin zu „Ich mache mich selbstständig, mit Dienstleistung X, mit bestehenden Kunden und Kontakten, ich werde mir Zielgruppe Y durch Maßnahme Z erschließen, und ich hätte gerne einen Zuschuss.“.

Den Plan erfolgreich umzusetzen liegt jetzt in meiner Hand.

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