Buchbesprechung: What Katie Ate

Vorbemerkung: Ich habe diese Buchbesprechung am 7. Juni 2013 auf apropos garnix veröffentlicht. Wie Weltliteratur, nacherzählt veröffentliche ich sie jetzt hier als Crosspost.

Meine Kritik an der Übersetzung hat den Verlag übrigens sehr geärgert; ich habe den Text noch einmal durchgelesen und bleibe bei meiner Meinung. Bei einem Kochbuch muss ich mich auf die Übersetzung verlassen können.

Letzte Woche hat mir die Post einen besonders schönen Gewinn ins Haus gebracht: Das Kochbuch „What Katie Ate“ der australischen Food-Bloggerin Katie Quinn Davies. Ich hatte bei einem Gewinnspiel des Umschau-Verlags teilgenommen, der zur das Buch zur Feier der Veröffentlichung verloste.

Gewonnen!

Mir hat gefallen, dass man nicht einfach nur die Adresse eintragen musste, um teilzunehmen. Andererseits musste man auch nicht irgendwelche nervigen Sperenzchen anstellen, um mitzumachen. Das Umschau-Team hat hier also den legendären goldenen Mittelweg gefunden: Man sollte erzählen, was einem am Blog What Katie Ate gefällt.

Da musste ich nicht lange überlegen: Mir gefällt, dass das Essen immer so aussieht, als könnte man es tatsächlich selbst so hinkriegen. Versteht mich nicht falsch, mir ist schon klar, dass auch KQD ihre Fotos bis zum Anschlag stylt, und das ist ja auch in Ordnung. Aber wenn ich perfekt abgezirkelte Buttercremetorten sehe, oder wie mit dem Laser geschnittene Details im Gemüse auf dem Teller, dann vergeht mir schon jede Lust, das nachzukochen. Da kann das Rezept noch so lecker klingen, ich denke mir: „Bah, das krieg ich eh nicht so hin“, und koch was anderes.

Wie gesagt, bei Katie ist das anders. Artisanaler. Handwerklicher. Soll heißen: Sieht schön aus, ohne das realistisch Hingepatzte zu vernachlässigen.

So. Also. Kochbuch gewonnen, große Freude.

Mir gefällt das Buch. Mir gefallen die Rezepte, mir gefallen die Bilder, mir gefällt das Seitendesign, das Brösel und Flecken und schmierige Fingerabdrücke schluckt, mir gefällt die Haptik des Einbands, mir gefällt, dass das Buch einfach mal aufgeschlagen liegen bleibt. Falls man doch mal mit fettigen, teigigen, mehligen Fingern blättern sollte: Siehe Lob des Seitendesigns.

What Katie Ate Innenansicht Buch

 

Mir gefällt, dass es im Buch gleich zwei attraktive Baiser-Rezepte gibt (scheint so ein australisches Ding zu sein). Ich mochte Baisers zwar noch nie, hatte aber trotzdem in letzter Zeit den Drang, einfach mal welche zu backen.

Klasse finde ich übrigens, dass bei jedem Ofen-Rezept angegeben wird, dass es sich um die Temperatur für einen Umluft-Ofen handelt. Das wird in vielen anderen Büchern – wie auch hier – am Anfang zwar erwähnt, wer das aber überliest, erfährt es auch später nicht mehr.

Bis hierher: Volle Punktzahl für Autorin und Designer.

Dieses spezielle Buch sollte eigentlich ein echtes Heimspiel sein für einen Verlag. Die Rezepte sind bereits im Internet gut angekommen, es gibt weltweit viele Fans der Autorin, die tollen Bilder, das Design und das Layout konnten auch einfach übernommen werden. Der Verlag muss also nur für eine gute Übersetzung sorgen, und kann sich dann zurücklehnen und zusehen, wie das Geld in die Kasse strömt.

Leider hat der Umschau-Verlag genau hier übel gepatzt. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich das sage, weil ich das Buch schließlich gewonnen habe. Aber echt, das hätte man so viel besser machen können! Das. Macht. Mich. Fertig.

Ich erkläre euch das anhand eines Rezeptes, das ich heute nachgebacken habe: Mums Schoko-Baisers.

Das Rezept verlangt u.a. nach:

1 TL Weinstein

1 TL Maisstärke

1 EL Instant-Espressopulver

1 EL ungesüßtes alkalisiertes Kakaopulver

100 g gute dunkle Schokolade

6 Bio-Eiweiße

300 g extrafeiner Zucker

1 TL Weißweinessig

Wenn ihr öfter kocht oder backt, dann wisst ihr jetzt schon, was mich stört. Für die Seltenbacker ist es vielleicht nicht ganz so offensichtlich.

Maisstärke: Da könnte man auch einfach Speisestärke schreiben, weil das auch im Laden so heißt. Bei uns ist das zwar meistens Kartoffelstärke, das ist beim Backen aber piepegal.

Ungesüßtes alkalisiertes Kakaopulver: Da weiß ich kaum, wo ich anfangen soll. Wenn ich in Deutschland „Kakaopulver“ kaufe, ist das immer ungesüßt. Alles andere wird als Trinkschokolade o.ä. verkauft. Meines Wissens wird Kakao bei uns zwar auch alkalisiert, zumindest bei manchen Marken. Was aber die Krux ist: Es steht auf handelsüblichen Kakaopackungen nicht. Da steht höchstens stark entölt oder schwach entölt, was beim Backen keinen Unterschied macht. Eigentlich auch sonst nicht.

Bio-Eiweiß: Im Vorwort erwähnt KQD, dass sie Bio-Eier und Bio-Fleisch bevorzugt. Dagegen ist nichts zu sagen, ich bin der gleichen Meinung. Ich finde nur, dass man nicht in jedem Rezept bei jedem Eier-Auftritt „Bio“ davor schreiben muss. Zumal, wenn bei den anderen Zutaten nicht dasselbe verlangt wird. Weinstein, Schokolade, Stärke, Zucker und Kakao dürfen so unbio und unfair-trade sein wie sie wollen, Hauptsache das Ei ist Bio!

Alles das könnte ich ertragen, und dann kommt der Hammer mit dem Essig. Der mir sagt, dass weder die Übersetzerin noch die Lektorin gerne oder oft kochen, oder auch nur einkaufen gehen. Weißweinessig? In Schokobaisers? Wirklich? Ihr werdet da nicht stutzig?

Ich bin geübte Rezepteleserin (und Anglistin) (und Redakteurin), deswegen konnte ich mühelos Rückschlüsse ziehen und wusste, dass es im Originalrezept white vinegar heißen muss (nachprüfbar in Katies Blog bei Mum’s Chocolate Meringues. Spoilerwarnung: Ich habe natürlich recht).

Für die Nicht-Anglisten: White vinegar ist der Essig, den man sich aus Essigessenz verdünnt – ein Teil Essigessenz, vier Teile Wasser. Ist Essig, ist aber kein Weißweinessig.

SO ETWAS DARF BEI EINEM KOCHBUCH NICHT PASSIEREN.

Wo war hier die Übersetzerin? Wo war die Lektorin? Kaufen die denn nie Lebensmittel ein? Kochen die überhaupt manchmal? Essen die überhaupt manchmal? Hassen sie womöglich Leute, die kochen, backen und essen?!

Ich bin ein bisschen beeindruckt davon, dass cream of tartar richtig mit Weinstein übersetzt wurde – in anderen Rezepten wurde da schon mal fröhlich ein Teelöffel Sauce tartare in den Muffin-Teig gegeben.

Testweise gekocht oder nachgebacken wurden die Rezepte bestimmt nicht, sonst wären solche derben Patzer nicht passiert. Übersetzerin und Lektorin war es offensichtlich egal.

Eine meiner Freundinnen ist Übersetzerin und Dolmetscherin, von ihr weiß ich, dass das ein anspruchsvoller Beruf ist. Es geht beim Übersetzen nicht darum, alle Wörter 1 zu 1 zu übersetzen, man muss auch auf Sinn und Kontext achten. Bei Kochbüchern muss man ganz offensichtlich darauf achten, die Zutaten so zu übersetzen, dass man sie verdammtnochmal auch im Laden findet.

Fazit:

„What Katie Ate“ ist ein wunderhübsches Kochbuch, aus dem ich definitiv noch mehr nachkochen werde. Ich finde aber, auch für den halbwegs erträglichen Preis von 25 Euro hätten eine anständige Übersetzung und eine gründliche Lektorierung drin sein müssen.

Bei einem Kochbuch darf es nicht sein, dass man raten und mutmaßen und tüfteln muss, damit man sich das Rezept erschließt. Nicht jeder ist Anglistin, Backfreundin, Blogleserin und Rätselfan. Ist der Weißweinessig erst mal eingerührt, sind die sechs Bio-Eiweiß verschwendet.

Hier wäre einfach viel mehr möglich gewesen. Ich hoffe, da wird für die nächste Auflage nachgebessert!

What Katie Ate  Schokobaisers

Die Baisers sind übrigens hübsch geworden. Und auch irgendwie lecker, wenn man dieses trocken-eiweißig-süß-baisereske mag, das Baisers oft so an sich haben.

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